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Die Rolle von Bäumen in essbaren Waldgärten

Bäume bilden das Fundament des essbaren Waldgartens. Sie bestimmen die Struktur, die Widerstandsfähigkeit und den Reichtum des Ökosystems. Aber ihre Funktion geht über die naheliegende Nahrungsproduktion von Früchten, Nüssen, Blüten oder Blättern hinaus. Sie spielen nämlich auch eine Schlüsselrolle in den Bereichen Beschattung, Wasserverwaltung, Biodiversität und Bodenverbesserung. Im Gegensatz zur traditionellen Landwirtschaft bilden Bäume in einem essbaren Waldgarten ein dauerhaftes, robustes Ökosystem, in dem Produktivität Hand in Hand mit Ökologie geht.

Hovenia dulcis-fruit-Ebben Treenursery

 

In diesem Blog gehen wir tiefer auf die Funktionen von Bäumen in essbaren Waldgärten ein. Wir schauen auf fruchttragende Arten wie Esskastanie und Maulbeere, aber auch auf unterstützende Baumarten wie Erle und Robinie, die Stickstoff binden und das Bodenleben anregen. Wie wählt man den richtigen Baum für den richtigen Standort in einem essbaren Waldgarten? Was ist der langfristige Wert von Bäumen in einem essbaren Waldgarten? Warum ist das Anpflanzen verschiedener Baumarten so wichtig? Und welche Bäume sind für unser Klima geeignet, wenn man einen essbaren Waldgarten anlegt? 

Ökosystemaufbau und die Rolle von Bäumen in einem essbaren Waldgarten

Wie der Name schon sagt, ist ein essbarer Waldgarten ein Waldsystem. Um die spezifischen Funktionen von Bäumen in einem essbaren Waldgarten zu verstehen, muss man die Entwicklungsphasen eines natürlichen Waldes kennen: die Aufbauphasen. Viele essbare Waldgärten beginnen heute auf Wiesen oder Äckern. Das hat zunächst wenig mit den Qualitäten eines Waldes zu tun, und deshalb dauert es länger, bis die Bepflanzung gut anwächst. Klimaxbäume und Sträucher, die von Gras überwuchert werden, haben sogar nur sehr geringe Wachstumschancen.

Die ökologische Aufbauphase von kahlem Boden bis zu einem Wald verläuft von einjährigen Pflanzen (Ackerfrüchten oder Unkräutern) zu Gräsern. Anschließend entstehen Stellen mit Humus und Stauden. Später folgen Pionierbäume, und so sollte auch der erste Schritt beim Anpflanzen eines essbaren Waldgartens aussehen. Diese Baumarten sorgen für Windschutz, verbessern die Bodenstruktur und schaffen ein Mikroklima, in dem spätere Arten gut wachsen können.

Um die Aufbauphase zu beschleunigen, werden häufig Pionierarten wie Birken, Weiden, Pappeln, Robinien und Erlen angepflanzt. In einem essbaren Waldgarten sind vor allem Erle und Robinie wegen ihrer Fähigkeit zur Stickstoffbindung wertvoll. Zur Frühjahrsbeginn bilden Weiden eine wichtige Nektarquelle, und wenn einige strategische Arten als größere Bäume (große Größen) gepflanzt werden, wird ein Klimaxstadium schneller erreicht. Dann können auch Klimaxarten wie Hainbuchen, Linden und Ulmen früher hinzugefügt werden. 

Alnus x spaethii 800-1000 multistem - Ebben Treenursery

 

Von Bakteriendominanz zu Pilzdominanz

Wenn Baumarten wie Hainbuche, Linde und Ulme bereits in größerer Größe eingesetzt werden, beeinflussen sie sofort die Biodiversität und das Mikroklima. Sie sorgen für Sonnen- und Windschutz und liefern schnell zersetzbares Laub, was der Bodenbildung zugutekommt. Das ist wichtig für den Wechsel von einem bakterien-dominierten Boden zu einem pilz-dominierten Boden. Mykorrhiza-Pilze bilden unterirdische Netzwerke, die Nährstoffe und Wasser verteilen, Stress reduzieren und das gesamte System widerstandsfähiger machen.

Obstbäume gehören von Natur aus in eine spätere Aufbauphase. Viele dieser Bäume sind Rosaceae-Arten wie Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Mispel, also Arten der mittelspäten Aufbauphase. Vögel fressen die Früchte und verbreiten die Samen, während sie in Pionierbäumen rasten. Obstbäume brauchen häufig nährstoffreichere Böden, ausreichend Nährstoffe und ein stabiles Mikroklima, um genug Energie in das Wachstum von Früchten investieren zu können. Gleichzeitig brauchen sie Licht und Luft, um Pilzkrankheiten zu vermeiden und einen guten Fruchtansatz zu fördern.

Die Bedeutung von vielen unterschiedlichen Baumarten in essbaren Waldgärten

Das Anpflanzen von möglichst vielen verschiedenen Baumarten sorgt für eine gesunde Vielfalt und damit für ein nachhaltiges System. Ein essbarer Waldgarten wird als Polykultur angelegt, damit sich Krankheiten und Schädlinge weniger schnell ausbreiten können (Van Eck, 2024). Sollte dennoch ein Befall entstehen, gibt es genügend Variation, um ihn abzufangen.

Durch die entsprechende Gestaltung eines essbaren Waldgartens können natürliche Lösungen gegen Krankheiten und Schädlinge sofort integriert werden, zum Beispiel durch Kombinationen von Pflanzen, die sich gegenseitig stärken. Außerdem wird bei essbaren Waldgärten häufig mit einem ökologischen Gleichgewicht („gläserne Decke“) gearbeitet, wodurch sich Schädlinge selbst regulieren (Van Eck, 2024). Weitere Informationen finden Sie in unserem Blog über essbare Waldgärten. Eine große Zahl sehr unterschiedlicher Arten sorgt außerdem für ein langfristiges Angebot an Nektar und Früchten. Das ist positiv für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere und damit für die gesamte Biodiversität. Der essbare Waldgarten von Wouter van Eck liegt zum Beispiel neben einem Natura 2000-Gebiet. Der essbare Waldgarten bietet jedoch einen deutlich höheren Biodiversitätswert als das Gebiet mit heimischen Bäumen, weil die Vielfalt für eine längere Saison mit Nektar und Früchten sorgt.

Tilia cordata Böhlje 40-50 Ebben Treenursery

 

Bäume nach Funktion auswählen: Stickstoff, Struktur und Nahrung

Bei der Gestaltung eines essbaren Waldgartens ist es nicht nur wichtig, Bäume bzgl. der Nahrungsproduktion auszuwählen, sondern vor allem nach ihrer Funktion im System.

  • Stickstoffbindende Bäume wie Alnus glutinosa (Schwarz-Erle), Robinia pseudoacacia (Scheinakazie), aber auch Cercis canadensis (Kanadischer Judasbaum), Cercis siliquastrum (Gewöhnlicher Judasbaum), Elaeagnus angustifolia (Schmalblättrige Ölweide), Elaeagnus multiflora (Langstielige Ölweide), Elaeagnus umbellata (Schirm-Ölweide), Gleditsia triacanthos (Dreidornige Gleditschie) und Hippophae rhamnoides (Sanddorn) reichern den Boden aktiv an. Sie gehen eine Symbiose mit stickstoffbindenden Bakterien ein und machen dadurch Nährstoffe für umliegende Pflanzen verfügbar. Diese Arten sind besonders geeignet in der Pionierphase eines essbaren Waldgartens und rund um produktive Baumarten mit höherem Stickstoffbedarf.
  • Strukturbäume sorgen für Windbrechung und Schatten. Dazu gehören z.B. Carpinus betulus (Gemeine Hainbuche), Tilia cordata (Winter-Linde) oder Populus tremula (Zitterpappel). Viele stickstoffbindende Bäume können diese Funktion ebenfalls übernehmen. Sie prägen das Mikroklima und ermöglichen es, tieferliegende empfindlichere Arten erfolgreich wachsen zu lassen. Carya-Arten wie Carya illinoinensis, Carya ovata und Carya cordiformis bevorzugen einen feuchten Boden und profitieren von dem Schutz durch Pappel oder Erle. Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) wächst zum Beispiel sehr gut im Schatten von Alnus cordata.
  • Nahrungsproduzierende Bäume sind die Hauptlieferanten der Ernte in einem ausgewachsenen essbaren Waldgarten. Arten wie Castanea sativa (Esskastanie), Juglans regia (Gemeine Walnuss), Carya ovata (Hickorynuss), Cornus mas (Kornelkirsche), Mespilus germanica (Echte Mispel) und Morus alba (Maulbeere) liefern Nüsse, Früchte oder essbare Blätter. Einige Arten sind schon in jungem Alter produktiv. Andere Arten erfordern mehr Geduld, haben aber später einen großen Wert. Sie sollten am besten als erwachsene Bäume gepflanzt werden, um direkt Ertrag zu liefern. Viele nahrungsproduzierende Bäume erfüllen außerdem eine oder mehrere unterstützende Funktionen.

Carya illinoinensis 350-400 multistem - Ebben Treenursery


Geeignete Baumarten für essbare Waldgärten in unserem Klima

Bei der Artenwahl in essbaren Waldgärten spielen standortbezogene Faktoren eine entscheidende Rolle. Dazu gehören Bodentyp, Feuchtegehalt, Windbelastung (zum Beispiel Seewind) und ob sich der essbare Waldgarten in einer städtischen oder ländlichen Umgebung befindet. Viele erfolgreiche essbare Waldgärten kombinieren heimische Arten mit nahrungsproduzierenden Exoten, die sich gut an unser gemäßigtes Klima angepasst haben.

Obwohl der essbare Waldgarten als Ökosystem schon seit Jahrhunderten existiert, ist seine Anwendung als Form moderner Nahrungsproduktion relativ neu. Deshalb werden derzeit viele neue Sorten entwickelt und getestet. Oft ist es sinnvoll, mit zuverlässigen Basisarten zu starten, z.B. mit alten Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschsorten und Arten wie Mispel, Quitte, Feige, Esskastanie und Walnuss. Sämlinge von Nussbäumen (Juglans regia) sind möglicherweise weniger produktiv, bieten aber kräftige Wurzelsysteme, die Trockenheit besser vertragen können.

Durch Kreuzungen wurden verbesserte Sorten entdeckt, z.B. Juglans ailantifolia × cinerea, Castanea sativa × mollissima und Castanea sativa × crenata. Diese Hybriden kombinieren Ertrag und Krankheitsresistenz asiatischer oder amerikanischer Arten mit den angepassten Eigenschaften europäischer Arten. Viele Sorten tragen osteuropäische Namen. Es gibt auch Sorten aus ehemaligen Sowjetländern, in denen groß angelegte Züchtungsforschung zugunsten der Ernährungssicherheit betrieben wurde. Das gilt zum Beispiel für Kornelkirsche (Cornus mas), Ölweide (Elaeagnus) und Eberesche (Sorbus), aber auch für ursprünglich asiatische Arten wie Nashi-Birne (Pyrus pyrifolia), Kakibaum (Diospyros kaki) und Weißdorn (Crataegus-Arten). 

Wertvolle Arten in kleineren Stückzahlen

Neben den Hauptgruppen gibt es besondere Bäume, die in kleinen Stückzahlen innerhalb eines essbaren Waldgartens einen großen Mehrwert bieten können:

  • Zanthoxylum simulans (Szechuan-Pfeffer): essbare, aromatische Früchte
  • Tilia henryana (Henrys Linde): blüht später und verlängert dadurch die Nektarsaison von Linden
  • Hovenia dulcis (Japanischer Rosinenbaum): süße Fruchtstiele, hitze- und trockenheitstolerant
  • Celtis-Arten (Zürgelbaum): essbare Früchte, robust, krankheitsresistent und Laubstreu
  • Magnolia-Arten: essbare Blütenblätter, einsetzbar in der Küche

Achten Sie bei Maulbeeren auf die richtige Herkunft. Schwarzfrüchtige Maulbeeren sind meist Hybriden aus Morus alba und Morus rubra, nicht aus Morus nigra. Morus nigra ist nur begrenzt winterhart und braucht einen warmen, geschützten Standort.

Zanthoxylum simulans-fruit-Ebben Treenursery

 

Die Baumschule Ebben ist Komplettanbieter für essbare Waldgärten

Möchten Sie gern einen essbaren Waldgarten anlegen oder erweitern? Die Baumschule Ebben denkt gern mit Ihnen mit. Als Komplettanbieter liefern wir nicht nur Bäume in allen Arten und Größen, sondern bieten auch alles, was für einen vollständigen Pflanzplan nötig ist – von Sträuchern, Kletterpflanzen und Obststräuchern bis hin zu Bodendeckern und Kräuterschichtpflanzen. Mit unseren Bäumen in großen Größen können wir direkt zur Windbrechung, zur Schattenbildung und zu einem schnelleren Systemaufbau beitragen. Nussbäume wie Carya, Walnuss oder Esskastanie, die erst in höherem Alter Früchte tragen, können wir sogar bereits fruchttragend liefern.

Möchten Sie sich über Baumarten, das Anlegen eines essbaren Waldgartens oder die Bodeneignung beraten lassen? Die Spezialisten der Baumschule Ebben helfen gern mit einer passenden Pflanzempfehlung für Ihren essbaren Waldgarten. Weitere Informationen finden Sie in unserer TreeEbb-Baumsuchmaschine.